Archiv der Kategorie: Chronik

Chronologisch geordnete Beiträge, Zitate, Exzerpte zur Technikgeschichte des Lautsprechers und der elektroakustischen Massenbeschallungen.

vor 1900 | 1900-1910 | 1911-1920 | 1921-1925 | 1926-1930 | 1931-1935 | 1936-1940 | ab 1941

>>> chronologisch geordnete Übersicht der Massenbeschallungen

Am Jahrestag der Zerschlagung der Gewerkschaften erfolgt die Grundsteinlegung für eines der größten begonnenen Bauvorhaben der Nationalsozialisten, dem vom Kölner Architekten Clemens Klotz entworfenen KdF-Seebad Rügen, „das mit einer der größten elektroakustischen Anlagen ausgerüstet wird, die je gebaut wurde“. „Der etwa 8km lange Bau“ entlang des Strandes soll nach Angaben Telefunkens „über 700 Lautsprecher und mehr als 100 Mikrofonanschlußstellen“ erhalten. Unter anderem soll die gesamte Strandpromenade mit Lautsprechern bestückt werden. „Die Verstärkerleistung beträgt ungefähr 16 kW.“ [Telefunken 5 Ela 361, 8f.]

Telefunken-Werbung
 
Millionen erlebten den historischen Tag in Potsdam

„15 von TELEFUNKEN erbaute deutsche Sender haben die Worte Adolf Hitlers an das deutsche Volk hinausgetragen. Hunderte von Großlautsprecher-Anlagen und -Wagen standen zur Verfügung, um Hunderttausende festlich versammelter Volksgenossen die historische Stunde miterleben zu lassen. Millionen an ihren Rundfunkgeräten waren durch TELEFUNKEN mit Potsdam verbunden.“

(Telefunken-Werbeanzeige aus [Illustrierter Beobachter, Sondernummer 21.3.1933])

1933, Telefunken: Massenbeschallung der Maifeier mit Kurztrichter-Lautsprechern

Kurztrichtermontage
Abb. 30 aus [Wigge 1934]
Für den ersten „Tag der nationalen Arbeit“ 1933 werden auf dem Tempelhofer Feld zahlreiche Telefunken-Großlautsprecher mit Kurztrichtern gleichmäßig verteilt aufgestellt. Ihre Form ist stilisiert in Abbildung 30 aus [Wigge 1934] dargestellt. Die Zeichnung könnte der Praxis auf dem Tempelhofer Feld 1933 abgeschaut sein: Ein Monteur in Arbeitskleidung befestigt die Kurztrichter, während Ingenieure die Anschlüsse kontrollieren; be- und überwacht wird die Arbeit von der uniformierten Staatsmacht als Auftraggeber der Installation. WEITERLESEN…

Auszug aus „49 Groß-Lautsprecher beim Avus-Rennen“, 1932

Für das vom ADAC ausgerichtete Autorennen in Berlin installiert Telefunken an der Rennstrecke mehrere Beschallungsanlagen, um die Zuschauer über die Ereignisse bei Start und Ziel sowie über die Siegerehrung auf der Avus-Terrasse zu informieren und um sie in den Pausen mit Schallplattenmusik zu unterhalten. Zum Einsatz kommen unter anderem die vom Mutterkonzern Siemens geerbten Blatthaller. WEITERLESEN…

Deutsche Bergwerks-Zeitung, Düsseldorf, 1.5.1935:
„Die Feier des 1. Mai in der gegenwärtigen Form ist nur dadurch möglich geworden, daß sich der technische Fortschritt zwischen Führer und Volk geschaltet hat. Nirgendwo anders in der Welt ist die Übertragungstechnik so hochstehend wie in Deutschland.“

Zitat aus „Die ersten Reichs-Lautsprechersäulen“ in Breslau 1938

„In Breslau werden zur Zeit die ersten Reichs-Lautsprechersäulen aufgestellt. Man hat die Hauptstadt des Gaues Schlesien für diesen ersten Versuch gewählt, weil dort im nächsten Jahr das deutsche Turnfest stattfindet. Hunderttausende aus allen deutschen Gauen werden aus diesem Anlaß in Breslau zusammenströmen. Sie werden kaum in der Lage sein, an allen Veranstaltungen teilzunehmen, aber 100 Reichs-Lautsprechersäulen, die bis zum Frühjahr auf den größeren Plätzen und in den Verkehrszentren aufgebaut sind, werden sie über allen wichtigen Vorgänge, über den gesamten Ablauf dieses Festes unterrichten. – WEITERLESEN…

Mit allen nötigen Bestandteilen ausgestattet ermöglicht die 1932 herausgebrachte Kofferanlage ‚Excello‘ von Dietz & Ritter (Körting) den sicheren Transport und schnellen, umkomplizierten Aufbau von Besprechungs- und Musikübertragungsanlagen bei sportlichen wie politischen Veranstaltungen.

Kofferanlage Excello
Abb. aus [Rundfunk-Großhändler 7 1932, 201]
„Für die ‚fliegende‘ Montage bei Sportfesten, Volksversammlungen u. dergl. zur Übertragung von Ansprachen, Schallplatten- und Rundfunkmusik ist eine neue überaus zweckmäßige Kofferanlage geschaffen worden. In drei jederzeit versandfertigen, soliden Koffern sind folgende Geräte untergebracht:
A) Mikrofon, Rundfunkempfänger, Sprechmaschinenwerk,
B) Kraftverstärker und Spannungsregler,
C) Dynamischer Großlautsprecher mit Anschlußkabel.
Ein Zusatzkoffer D enthält einen entstörten Umformer zum etwaigen Anschluß der Anlage an ein Gleichstromnetz.“ (Rubrik „Mitteilungen aus der Industrie“, in: [Rundfunk-Großhändler 7 1932, 201]

In einer Aufsatzfolge von 1928 über dynamische Lautsprecher, die 1929 auch als Buch erscheint, konstatiert Eugen Nesper den zunehmenden Bau von Großlautsprecheranlagen, weil „das Bedürfnis für die Großwiedergabe von politischen und sonstigen Ansprachen und Ankündigungen usw. sowie von musikalischen Darbietungen mehr und mehr gestiegen“ sei.

„Dadurch, daß das Bedürfnis für die Großwiedergabe von politischen und sonstigen Ansprachen und Ankündigungen usw. sowie von musikalischen Darbietungen mehr und mehr gestiegen ist, haben sich auch in immer zunehmenderem Maße auch Großlautsprecher-Anlagen eingeführt, für welche in erster Linie solche nach dem dynamoelektrischen Prinzip in Betracht kommen. So hat beispielsweise Gaumont in Paris derartige Anlagen herausgebracht […]. Infolge der ausgezeichneten Durchbildung nicht nur des dynamoelektrischen Lautsprechers selbst, sondern auch der hierzu gehörenden Verstärkeranlage, sind derartige Großlautsprecher nicht nur in der Lage, beispielsweise größere Orchester zu ersetzen, sondern sogar diese in ihrer Klangwirkung noch weit zu übertreffen.“ [Nesper 1929, 15]

„Radio-Übertragung bei der Fließarbeit“
„Um den Arbeiter bei der manchmal sehr eintönigen Fließarbeit während der normalen achtstündigen Arbeitszeit nicht über die Gewohnheit zu ermüden, versuchte man das öftere Einlegen von Pausen: dies Mittel muß natürlich eingehend studiert werden. Eine andere Art ist nun im Kleinbauwerk der SSW auf einfachste Art versucht worden. Die Berliner Rundfunkstelle gibt zwischen 11hund 12h 50m und von 3h 30m bis 4h 50m Radiokonzerte für die Industrie; diese Darbietungen werden, wie Abb. 77 und 78 zeigen, durch Lautsprecher den Arbeiterinnen übermittelt. Natürlich darf nicht den ganzen Tag Musik gemacht werden, was den Zweck verfehlen würde; vielmehr bleibt am Vor- und Nachmittage der Apparat nur 1 h eingeschaltet und wird während der Mittagspause auf den Speisesaal des Arbeiterkasinos umgeschaltet. Der Zweck der Musik in den Fabrikationssälen ist lediglich der, daß das Monotone der Arbeit ab und zu unterbrochen und eine gewisse Belebung erzielt wird. […] Ob diese Einrichtung wirklich einen Wert hat und die Musik nicht etwa ermüdet oder nur die Spielerei eines idealistischen Werkleiters ist, wird die Zukunft lehren. Eine Umfrage in der Werkstatt, ob der Versuch weiter fortgesetzt werden soll, hat ergeben, daß die Arbeiterinnen die Musik sehr gern haben und dem 11h-Beginn mit Spannung entgegensehen.“ [Pers. in: ETZ 9 1927, 300f.]