"Die Technik der Versorgung großer Plätze mit echofreien Lautsprecheranlagen ist in Deutschland in wahrhaft vorbildlicher Weise entwickelt worden. Die großen politischen Aufmärsche und die Olympischen Spiele 1936 waren Prüfsteine dieser modernen Technik, bei der Pilzlautsprecher der verschiedensten Ausführung sich ausgezeichnet bewährten. Im kommenden Jahr steht nun auch die Tschechoslowakei vor einer ähnlichen Aufgabe anläßlich des Sokolkongresses, und die Uebertragungstechnik soll auch hier eingesetzt werden, um Massenaufmärsche und Massenvorführungen zu dirigieren. Für die großen Turnübungen will man dabei einen neuen Weg beschreiten, und zwar sollen die Lautsprecher nicht weithin hörbar sein, sondern nur für die an den Uebungen Beteiligten. Aus diesem Grunde will man das Turnfeld nicht mit Pilzlautsprechern bestellen, sondern mit einem Netz von Bodenlautsprechern beziehen, also Lautsprechern, die in den Boden eingelassen sind und dadurch die freie Sicht über das ganze Sportfeld nicht behindern. Durch entsprechende Schaltung der verschiedensten Lautsprecheranlagen kann man es dann so einrichten, daß die Befehlsübermittlung an die Turner von den Zuschauern kaum wahrgenommen werden kann." [Spandauer Zeitung 23.12.1937]
"Auf dem Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau vom 23. bis
31. Juli 1938 wird ein neuer Lautsprecher zum ersten Male benutzt, der
dazu berufen erscheint, in den nächsten Jahren eine sehr wichtige
Rolle in der Elektro-Akustik zu spielen.
Dieser neue Lautsprecher, der sogenannte Bodenlautsprecher, ist ein
Rundstrahler und dient zur Schallversorgung von Freiflächen, ähnlich
wie die bekannten Pilze und Ampeln. Diesen gegenüber zeichnet er
sich aber dadurch aus, daß er nicht auf einem Markt aufgestellt
oder aufgehängt wird, sondern daß man ihn in die Erde einläßt.
Dadurch wird erreicht, daß auf dem mit Schall zu versorgenden Feld
keine hinderlichen Maste aufzustellen sind und daß die Lautsprecher
den Blicken der Zuschauer entzogen werden. Wie wichtig dies bei vielen
Veranstaltungen ist, hat sich auf dem Breslauer Turnfest sehr deutlich
erwiesen. Während früher die Maste der Pilze und Ampeln sehr
oft im Wege standen, läßt der Bodenlautsprecher dem Turner
bei seinen Vorführungen volle Freiheit in der Bewegung. Früher
kam es auch manchmal vor, daß die sichtbaren Lautsprecher bei rhythmisch
stark bewegten Übungen das Bild störten. Auch das kann natürlich
beim Bodenlautsprecher nicht eintreten, weil er für die Zuschauer
unsichtbar bleibt.
Bewegungsfreiheit
Der Bodenlautsprecher besteht aus zwei Teilen, die aus besonders widerstandsfähigem
Siluminleichtguß hergestellt sind:
Einem leicht gewölbten Oberteil, der als Deckel ausgebildet ist
und auf seiner Unterseite einen Streukegel besitzt. Durch die Leitflächen
dieses Streukegels wird eine kreisförmige Abstrahlung des Schalles
erreicht. Zwei gleichfalls auf der Unterseite angeordnete zylinderförmige
Gazesiebe halten mit Sicherheit Regen- oder Spritzwasser vom Lautsprecherchassis
fern. Der Deckel ist durchbrochen, um dem Schall freien Austritt zu
gewähren, dabei aber so fest, daß er bequem das Gewicht von
sechs erwachsenen Menschen trägt.
Einen kreisförmigen Unterteil, an dessen Unterseite das Lautsprecherchassis
angebaut ist. Dieses Chassis ist so montiert, daß die Membran
den Schall nach oben abstrahlt. Vom Anpassungsüberträger des
Lautsprechers führt ein kurzes Lautsprecherkabel an einen wasserdichten
Stecker.
Festinstallation erforderlich
Die Grube für den Bodenlautsprecher muß betoniert sein. Am
zweckmäßigsten wird ein fertiges Betonrohr verwendet, das in
die Erde eingelassen wird und dazu dient, den Lautsprecher zu tragen und
gegen nachfallende Erde, Eindringen von Wasser usw. zu schützen.
Für den Abfluß des Wassers brauchen im allgemeinen keine besonderen
Vorkehrungen getroffen zu werden. Nur wenn der Einbau der Lautsprecher
in undurchlässige Lehmschichten erfolgt, muß ein Abflußrohr
oder eine Sickergrube vorgesehen werden.
verteilte Lautsprecher-
anordnung
Bei der Projektierung kann man fast genau so vorgehen wie bei Pilzen
oder Ampeln. Die Lautsprecher sind gleichmäßig über das
zu besprechende Feld zu verteilen, wobei die größte Entfernung
zwischen zwei Bodenlautsprechern etwa 50 m betragen darf. Ist die Aufstellung
der Personen auf dem zu besprechenden Gelände locker, wie z. B. bei
turnerischen Vorführungen, genügen zur Bestückung des Bodenlautsprechers
10-Watt-Chassis. Muß dagegen mit einer dichtgedrängten Aufstellung
(Aufmärsche, Versammlungen u. dgl.) gerechnet werden, so empfiehlt
es sich, 20-Watt-Lautsprecher zu benutzen. Auch ist es in diesem Fall
vorteilhaft, Gassen in der Menschenmenge freizuhalten und die Lautsprecher
in die Kreuzungspunkte solcher Gassen zu stellen. Dadurch wird erreicht,
daß der Schall Gelegenheit hat, sich richtig auszubreiten. Beim
An- und Abmarsch können dagegen die Lautsprecher ohne weiteres betreten
werden.
10-Watt-Chassis
20-Watt-Chassis
Verwendungs-
möglichkeiten
Mit der Benutzung für Aufmärsche, Sport- und Turnfeste sind
aber die Verwendungsmöglichkeiten der Bodenlautsprecher noch lange
nicht erschöpft. Man wird sie an Stelle der bisher bekannten Rundstrahler
benutzen, z. B. auf einem Fabrikhof, in einer Einfahrt oder auf einem
Stadtplatz, wenn der Mast einer Ampel oder eines Pilzes den Verkehr behindern
würde, oder aber in Anlagen, Gärten, vor Monumentalbauten u.
dgl., wo sichtbare Lautsprecher den Eindruck beeinträchtigen könnten.
Fo." [Fo. in: Telefunken Nachrichten 1938]