"Unter die Gruppe der mechanischen Verstärker kann man auch das Johnsen-Rahbek'sche elektrostatische Relais rechnen, dessen technische Ausgestaltung und Anwendung in den Händen der Firma Huth (Berlin) liegt.
Die beiden dänischen Ingenieure Alfred Johnsen und Knud Rahbek machten bereits 1917 die Entdeckung, daß beim Stromdurchgang zwischen einem Metall und einem Halbleiter schon bei sehr geringen Stromstärken von ca. 10-6 Ampère eine bedeutende Anziehungskraft zwischen Metall und Halbleiter auftritt. Das Prinzip ist hier folgendes. Legt man an einen Halbleiter H (Fig. 35), dessen eine Seite fest mit einer Metallplatte P2 verbunden ist und auf dessen anderer blankpolierter Seite eine plane Metallplatte P1 lose aufliegt, über zwei hohe Widerstände w1 und w2 von etwa 100000 Ohm eine Gleichspannung beispielsweise von 220 Volt, so tritt zwischen der Platte P1 und dem Halbleiter eine bedeutende Anziehung auf, so daß die Platte fest auf dem Halbleiter haftet. […] Als Halbleiter bewährte sich am besten Solhofer'scher Schiefer (Lithographenstein). […]
Es ist einleuchtend, daß sich diese Erscheinung zur Konstruktion von Relais benutzen läßt; da ja sehr geringe Ströme, die sonst gerade noch eben zum Betriebe eines elektromagnetischen Relais genügen würden, hier eine weit wirksamere Konstruktion ermöglichen. Die wichtigsten Apparate, welche die Firma Huth bereits auf diesem Prinzip konstruiert hat, sind ein Morseschreiber, ein Elektroskop und ein Lautsprecher." [Lertes 1923, 114f.]
"Das Prinzip beruht auf einer Entdeckung zweier dänischer Ingenieure, der Herren Johnsen und Rahbek im Jahre 1917. Seine Verwendung liegt für den größten Teil des Weltgebietes in den Händen der Firma Dr. Erich F. Huth, Berlin. […]
Eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten des Prinzips ist der Lautsprecher nach Huth-Johnsen-Rahbek. […]
Dem Prinzip wohnt, wie bereits gesagt, Relaiswirkung inne: Die geringfügigen Spannungsschwankungen steuern die an das ganze System abgegebene Motorkraft. Der Lautsprecher ist daher nicht bloß zur Wiedergabe innerhalb der häuslichen Räume, sondern auch auf freien Plätzen, kurz, überall da geeignet, wo außerordentlich große Lautstärken erforderlich sind." [Schwarz in: Radio-Umschau 29 1924, 857f.]
Im Abschnitt "Lautsprecher für sehr große Räume bzw. für das Freie" führt Eugen Nesper den Johnsen-Rahbek-Lautsprecher als geeignetes und bereits bewährtes Beispiel an zur Beschallung eines größeren Publikums:
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"Zuweilen liegt die Aufgabe vor, für sehr große Hallen, Theater, bzw. auch für das Freie, z. B. bei Wählerversammlungen, insbesondere Sprache laut wiederzugeben. Es ist hierzu natürlich erforderlich, eine sehr große Energie und Klangfülle zur Verfügung zu haben. Die große Klangfülle muß durch eine entsprechend große Luftmenge erzeugt werden, und hierzu sind ungewöhnlich große Trichterabmessungen notwendig.
An und für sich sind die meisten der vorstehend beschriebenen Systeme geeignet, die erforderliche Schallenergie hervorzurufen. Es kommt ja im großen ganzen nur darauf an, eine entsprechend größere und auch stärkere Membran als für die gewöhnlichen Lautsprecher zu verwenden.
Aber einerseits ist der Wirkungsgrad dieser Anordnungen noch schlechter als bisher, andererseits neigt die Membrananordnung, wenn man sie in ungewöhnlich großen Dimensionen herstellt, besonders zu Verzerrungen, so daß man wohl bei genügender Kraftverstärkung die Schallintensität erhält, daß jedoch der Charakter der Sprache mehr und mehr verloren geht.
geeignet zur Massenbeschallung
Man hat sich infolgedessen anderen für diese Spezialzwecke geeigneteren Systemen zugewendet. So ist z. B. der Johnsen-Rahbek-Lautsprecher mit Erfolg in der Motorform verwendet worden, um Wahlresultate, neueste Nachrichten usw. dem Publikum zu vermitteln. Die Anschaltung ist hierbei naturgemäß eine andere als bei Verwendung in kleineren Räumen." [Nesper 1925a, 535f.]
Als weiteres verwendbares Prinzip zur Massenbeschallung benennt Nesper das elektrostastische bzw. die hiernach arbeitenden "Telephone", wie sie zuerst von G. Seibt angegeben worden seien, und als drittes Beispiel führt Nesper den Bandlautsprecher von Siemens & Halske an, womit er den Johnsen-Rahbek-Lautsprecher gewissermaßen gleichgewichtig neben den um 1925 sehr hochwertigen und leistungsstarken elektrodynamischen Siemens-Großlautsprecher stellt [Nesper 1925a, 536].